Heiner Muellers "Hamletmachine" im Odeon
Gestern Abend Heiner Muellers Hamletmachine im Teatrul Odeon.
Lange habe ich kein so theatralisches Theater mehr gesehen. Hamlet hat die ganze Zeit nur geschrien und gejammert. Ein riesiger Urhpendel brach von Zeit zu Zeit in den Buehnenraum ein und brachte das Spiel zum Erfrieren. Die Musik auf der Buehne, zum Teil live, verfiel aus einem Register ins andere.
Das Schoenste an der Auffuehrung war Horatio, der von einem Baletttaenzer gespielt, oder besser: getanzt wird. Das erste Mal betritt er die Buehne zu einer Arie von ich weiss nicht wem, "Lascia ch'io pianga", die wunderschoen ist. Er symbolisiert alles das, was nicht die Maschine ist, in die Hamlet sich verwandeln moechte, er ist das Leben, die Leichtigkeit, die Bewegung im Fluss im Gegensatz zu dem abgehackten Zappeln der Maschine.
In einem der beeindruckendsten Monologe Hamlets beschreibt er eine Revolution im Werden, die spontane Zusammenkunft der Massen, die sich auf das Regierungsgebaeude zu bewegt, um dort den Sprecher auf dem Balkon auszupfeifen. Klassische Situation, hier in Rumaenien auch leicht nachzuvollziehen. Das Interessante ist, dass Hamlet sich nicht entscheiden kann, auf welcher Seite er steht, ob er mit den Massen mitgeht und demonstriert oder ob er von dem Balkon der Macht aus auf die Massen herabschaut und sich vor der entfesselten Volkswut hinter den gepanzerten Tueren des Regierungsbalkons in Sicherheit bringt. Dieses Hin- und Her seiner Perspektive ist der Grund fuer seinen Zusammenbruch schliesslich.
Der Onkel traegt am Ende eine rote Generalstunika und seine Gesten und sein Nuscheln erinnerten mich an Ceausescu. Es wird also klar, wogegen Hamlet rebelliert.

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